Warum ertrinken dieses Jahr so viele Menschen?

Das Jahr 2018 im Verlauf:

Bis zum Stichtag 20. Juli haben wir bundesweit mit 279 Toten bereits einen Anstieg von gut 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. Wegen des anhaltend sommerlichen Wetters begann die Badesaison 2018 schon im April, was einen Anstieg an Badetoten um rund 30% im Vergleich zum Vorjahr nach sich zog. Der Mai legt dann mit 51 Toten und einem Anstieg von rund 25% nach.

"Hatten wir im letzten Jahr durch den eigentlich nicht vorhandenen Sommer vergleichsweise geringe Ertrinkungszahlen, beweisen die anhaltenden Temperaturen und das schöne Wetter einmal mehr, dass es leider auch in die andere Richtung gehen kann", beklagt Bundes-DLRG-Sprecher Achim Wiese.

Die Ursachen:

Die meisten Ertrinkungsfälle ereignen sich wie so oft an den ungesicherten Badestellen vor allem im Binnenland. Dort kamen 250 der bislang erfassten 279 ums Leben – das sind fast 90 Prozent der Gesamtzahl. 104 starben in Flüssen, 116 in Seen und Teichen, elf in einem Kanal.

"Das Ertrinkungsrisiko an diesen Badestellen ist sehr hoch, da sie eben nicht bewacht werden, ein Ertrinkender hat hier wenig Aussicht auf Rettung. Daher fordern wir dringend mehr Bewachung auch im Binnenland durch unsere Rettungsschwimmer. Nur so können die Zahlen gesenkt werden", beteuert Wiese. Hier seien besonders Länder, Kommunen und Badbetreiber in der Pflicht, für mehr Sicherheit zu sorgen – ein schlichtes Badeverbotsschild reicht nicht aus. In Schwimmbädern fanden 19 Badegäste den nassen Tod.

Die DLRG Leipzig setzt sich seit Jahren für ein aktives Sicherheitskonzept der "Leipziger Seenlandschaft" ein. Bislang leider ohne Erfolg. Die einzige durch uns betreute Wasserrettungsstation ist am Campingsplatz am Kulkwitzer See in Leipzig Lausen. Doch auch hier können wir nicht rund um die Uhr die Sicherheit am und im Wasser gewährleisten, wie der tragische Unfall am Sonntag leider bewies (LVZ, 30.07.2018).

Leipzig Fernsehen | 31.07.2018


Die Ursachen im Detail

Neben den unbewachten Badestellen haben wir weitere Ursachen ausmachen können:

Selbstüberschätzung und Leichtsinn: 81 Prozent der Opfer waren Männer, 19 Prozent Frauen. Hier spielt männliches Imponiergehabe eine tragische Hauptrolle. Auch Alkohol verstärkt die Risikobereitschaft der männlichen Badegäste, was gerade am offenen Meer oder nach intensiven Alkoholkonsum zu tödlichen Zwischenfällen führt.

Alter: 2017 waren 36,4 Prozent der insgesamt 404 Todesopfer, Menschen über 55 Jahren. Hier spielen häufig gesundheitliche Faktoren wie plötzliches Unwohlsein, Herz- oder Kreislaufversagen eine Rolle. So geht Senioren schneller die Kraft aus, Herzprobleme oder Diabetes sind ebenfalls oft ein Problem.Gerade bei den gegenwärtig vorherrschenden Temperaturen und den Unfallbildern der letzten 14 Tage, raten wir allen älteren Badegästen, das 'kühle Nass' nur zu zweit aufzusuchen und sich während des Badevergnügens nicht zu trennen. Die letzten Vorfälle belegen leider diese Vorgabe.

Mangelnde Schwimmkenntnisse: Die Schwimmfähigkeit ist insgesamt rückläufig. Laut einer Eltern-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DLRG kann mehr als die Hälfte der Grundschüler in Deutschland nicht richtig schwimmen. Es gibt es einfach zu viele Kinder, die nicht mehr richtig schwimmen lernen. Seepferdchen reicht da nicht! Ein sicherer Schwimmer hat nach unserem Verständnis mindestens das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Das heißt, 200 Meter oder 15 Minuten frei schwimmen können.

Immer häufiger sind auch Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund als Opfer zu beklagen. Der Anteil der Nichtschwimmer bei den Asylsuchenden liegt bei annähernd 100 Prozent. Gerade diese Personengruppen sind extrem gefährdet, wenn sie den Weg in teilweise unbekannte Gewässer wagen. Die DLRG hat hier bereits reagiert und die Baderegeln in mehr als 25 Sprachen übersetzt sowie Piktogramme der Baderegeln entwickelt.

Wieso ist es schwierig, einen Ertrinkenden zu retten?

Wenn Menschen im Wasser in Not geraten, werden sie oft panisch: Sie schlagen um sich und versuchen, sich an irgendetwas festzuhalten. Für Laien ist es schwierig, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen und sich aus den oft sehr festen Griffen zu befreien. Rettungsschwimmer lernen in ihrer Ausbildung genau das. Außerdem kann das Gewässer Gefahren bergen, die vom Ufer aus nicht zu erkennen sind.

Die DLRG rät für den Notfall daher: Hilfe holen und der Person im Wasser Schwimmhilfen oder andere Gegenstände zuwerfen, an denen sie sich festhalten kann.

Die wichtigsten Hinweise für sicheres Badevergnügen

  • Nur an bewachten Badestellen schwimmen gehen und die Warnhinweise beachten;
  • Eltern sollten kleine Kinder am und im Wasser nie aus den Augen lassen und immer in Griffweite bleiben; Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere sind gefährliches Spielzeug und können leicht abgetrieben werden;
  • Die eigene Leistungsfähigkeit kritisch einschätzen; nicht übermütig werden;
  • Unbekannte Gewässer bergen Gefahren. Erkundigen Sie sich vor dem Bad bei einheimischen Fachleuten über besondere Gefahren und die örtlichen Notrufmöglichkeiten;
  • Im Frühsommer sind die Gewässer in der Regel noch kalt. Dies gilt insbesondere für tiefe Baggerseen. Das Bad kann zu Unterkühlung und Krämpfen führen und lebensgefährlich werden;
  • Nie in unbekannte Gewässer springen. Nur an ausgewiesenen Sprungbereichen ins Wasser springen. Kopfsprünge im Ufer- und Flachwasserbereich können lebensgefährlich sein oder schwerste, dauerhafte Schäden nach sich ziehen;
  • Verlassen Sie bei Gewitter das Wasser sofort. Es besteht Lebensgefahr;
  • Das Bad in Flüssen ist besonders gefährlich. Strömungen, Brückenpfeiler, Sogwirkungen, Unterwasserhindernisse, und Fahrrinnen mit Freizeit- und Berufsschifffahrt bilden unkalkulierbare Risiken;
  • Achtung beim Badeurlaub an europäischen Meeren: Gezeiten und nicht erkennbare Strömungen und Unterströmungen sowie starke ablandige Winde können auch gute Schwimmer in Lebensgefahr bringen;
  • Trinken Sie vor dem Baden keinen Alkohol und vermeiden Sie ein Bad unmittelbar nach dem Essen.
  • Lassen Sie Kinder nicht unbeaufsichtigt baden.
  • Auch bei stehtiefen Schwimmbecken sollten Sie Kindern die Nutzung immer nur unter Aufsicht gestatten
  • Kinder sollten frühzeitig schwimmen lernen und die Baderegeln kennen

Weitere hilfreiche Informationen zum Thema Sicherheit beim Baden finden Sie hier.